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schöpfungsgeschichten oder aller anfang ist schwer ...
man geht gern davon aus, dass am anfang das wort gewesen sei ... solche sprüche lassen die vermutung aufkommen, dass hinter der heiligen schrift ein schriftsteller gestanden ist, der auf diese weise seiner zunft ein erstlingsrecht erdichten wollte. wir pinselarbeiter möchten nicht ein wort, wohl aber ein wörtchen mitreden, wenn es um so wichtige prioritäten geht. der schöpfer, vorläufer aller kreativen, sagte nämlich auch folgendes: es werde licht. und es wurde licht. er sah, dass das licht gut war. er schied das licht von der finsternis und nannte das licht tag und die finsternis nannte er nacht. ganz am beginn der schrift wird hier also der kontrast von licht und dunkel bemüht, eine grundlage jeder guten grafik. weiters sagte er: das land lassejunges grün wachsen, alle arten von pflanzen, die samen tragen, und von bäumen, die auf der erde früchte bringen mit ihren samen darin ... zuerst schöpft gott das licht, in dem sowieso schon in nuce alle farben stecken, und dann stellt er noch explizit das grün in den raum. erst jetzt ist die schöpfung von sich aus lebensfähig und auf schiene, jetzt geht was weiter, auch, wenn der mensch noch keine rolle spielt. die farbe hat's gebracht: am anfang war die malerei.
weiters sprach er: das wasser wimmle von lebendigen wesen, und vögel sollen über dem land am himmelsgewölbe dahinfliegen. der garten eden war schon da und paradiesvögel und fischgewimmel, und dann fiel es ihm erst ein, den menschen zu formen. selbstverständlich brauchte das seine zeit. er nahm maß an den bisher geschaffenen tieren, erzeugte tönerne mischwesen, die er dann wieder zerklopfte und neu zusammensetzte. so tastete er sich langsam an die erschaffung des menschen heran. vor allem die herstellung der frau bereitete ihm schwierigkeiten. nach dem eher einfachen wesen des mannes ein fast - aber eben nur beinahe - gleiches herzustellen, in dessen feinen unterschieden die schöpfung in ihrer eigentlichen vollendung sichtbar werden sollte. ein springender und doch auch wunder punkt,an dem unser urgeschichtlicher erfinder ja letztlich gescheitert ist. genauer gesagt, die schöpfung ist ihm entdl - ~üen und hat ihre eigendynamik auszuleben begonnen. eine zeit lang war die biblische genesis ein märchen, nun wird sie kurz ein kriminalroman und zugleich ein stück sozialgeschichte: ein herrscher stellt menschenunmögliche bedingungen und muss nach deren missachtung zur bestrafung schreiten, ob er will oder nicht. er vertrieb den menschen und stellte östlich des gartens von eden die kerubim auf und das lodernde feuerschwert, damit sie den weg zum baum des leben und der erkenntnis bewachten. Da dürfen die, die sich im schweiße ihres angesichts das brot verdienen müssen, nie mehr wieder hin. sadistische einlage eines abgehobenen schriftstellers oder gründungsakt der klassengesellschaft? (reiner schiestl)

>> künstlerbeschreibung - reiner schiestl

>> flyer, schöpfungsgeschichten (download jpg, 890kb)

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