geschichten ohne anfang und ende
ich begegnete barbara tavellas arbeiten das erste mal vor etwa 15 jahren. sie haben mich von anfang an interessiert und angezogen. fotografie und video waren damals ihre bevorzugten medien. thematisch hat sich die 1972 geborene, im gadertal lebende künstlerin mit ihrer umgebung und ihrem (frau-) sein in dieser umgebung beschäftigt. das was sie interessiere, hat sie mir einmal in einem interview gesagt, sei der kleine raum, der private, intime, der weibliche raum. die künstlerische umsetzung erfolgte auf subtile, poetische, gleichzeitig kraftvolle art und weise. schon damals ging es ihr darum, verhülltes und enthülltes spielerisch zu inszenieren und darzustellen, das spannungsfeld zwischen zugehörigkeit und entfremdung zu thematisieren. das hat sich bis heute nicht verändert. verändert hat sich, dass sich barbara tavella nach fast fünfjährigem rückzug, nun überwiegend der malerei und zeichnung widmet. ihre neuen arbeiten haben an tiefe gewonnen, aber auch an leichtigkeit.
barbara tavella erzählt geschichten ohne anfang und ende. persönliche geschichten, die aber weit über das persönliche hinausreichen. geschichten, die eine große sogkraft entwickeln und vor allem im kopf der betrachter entstehen. wie kulissen verschiebt tavella ihre collageartig zusammen gesetzten sujets, spielt mit gegensätzen, verdoppelungen, fragmenten; die figuren wirken wie puppen, wie marionetten. die körper sind zusammengesetzt, seltsam verdreht, in einzelne teile zerlegt.
die figuren ziehen die betrachter in das bild; sie blicken einen meist mit großen augen an, behalten aber ihre distanz. „ihr blick ist vor allem nach innen gerichtet, ich entwerfe dabei so etwas wie eine kartographie einer innenwelt.“ die körper scheinen zum teil zu schweben, folgen keinen regeln, weder in der perspektive, noch in den proportionen. der weibliche körper als modellbaukasten.
barbara tavella arbeitet meist lange an einem bild, fügt hinzu, nimmt wieder weg, so entsteht schicht um schicht, solange bis sie, wie sie sagt, ein beruhigendes gefühl habe, die schichtungen in sich stimmig sind.
es sind zeit- und raumlose bilder, die orientierung löst sich auf, im vordergrund steht die weibliche figur. „ich habe das bedürfnis zu malen, kreativ zu sein, um etwas zu sagen, was ich mit sprache nicht sagen kann.“ es ist eine symbolische sprache, die hier entworfen wird. eine atmosphäre entsteht, ein nicht genau definiertes gefühl. barbara tavella möchte nicht beschreiben und illustrieren, ihr geht es um ein nebeneinander und übereinander von ungewohnten elementen; dem malprozess entspricht hier auch auf inhaltlicher ebene das auftragen von schicht um schicht. ihre archetypische sprache ist der sprache des traums nahe, dem unbewussten.
tavellas figuren haben aber auch etwas theatralisches an sich. so verletzt diese zusammengesetzten frauenkörper auch scheinen mögen, sie haben auch etwas stolzes, mutiges an sich, ganz und gar eigenwilliges. sie sind schön und sinnlich und verstehen zu verführen. „durch die farben und den prozess der malerei werden sie zu heldinnen.“
alles beginne in ihrem eigenen inneren, meint barbara tavella. ihre kunst sei eine suche mit sich und anderen zu kommunizieren. sie hat dabei künstlerisch einen ganz eigenständigen weg gefunden.
susanne barta
>> künstlerbeschreibung - barbara tavella


